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17.09.2021

Freiheit, Gleichheit und Würde – für alle Menschen

Rummelsberger Diakonie eröffnet Ausstellung „Menschen. Rechte. Leben.“ in St. Egidien in Nürnberg

Nürnberg – Soziale Gerechtigkeit, die Menschenrechte, gemeinsame Verantwortung und die Achtung der Vielfalt bilden die Grundlagen Sozialer Arbeit. Diesen Prinzipien hat sich auch die Rummelsberger Diakonie als diakonischer Träger verpflichtet. Seit 1927 stehen mannshoch im wahrsten Sinne des Wortes die sieben Werke der Barmherzigkeit an der Altarwand der Philippuskirche in Rummelsberg dafür, dass jedem Menschen Würde widerfährt. In Kooperation mit der Stadt Nürnberg und St. Egidien eröffnete die Rummelsberger Diakonie mit einem festlichen Akt die Ausstellung #freiundgleich der Evangelischen Kirche in Deutschland in den Räumlichkeiten von St. Egidien.

Die Initiative, die Ausstellung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) nach Nürnberg zu holen, ging von Amely Weiß, der Bereichsleiterin der Rummelsberger Dienste für junge Menschen, aus. „Soziale Arbeit beinhaltet für uns immer, den Menschen durch Empowerment zu ihren Rechten zu verhelfen. Deshalb haben wir auch gerne diese Ausstellung hier organisiert und uns über die Kooperation mit St. Egidien sehr gefreut. Die Ausstellung kann jetzt auch von Gruppen und Schulklassen besucht werden. Sie bietet viele verschiedene Möglichkeiten, das Thema Menschenrechte zu begreifen. Die Umsetzung der Menschenrechte für alle Menschen sind in meinen Augen ein grundlegendes Ziel sozialer Arbeit, denn bei unseren Klient*innen sind die Menschenrechte oft unzureichend erfüllt, erklärt Amely Weiß. „Sie leiden zum Beispiel darunter, dass sie keine Wohnung haben oder keinen oder unzureichenden Zugang zu Bildung und Ausbildung und in der Folge keine Arbeit, prekäre Einkommensverhältnisse, wenig oder keine sozialen Kontakte. Sie haben wenig Mittel um Freizeitangebote wahrnehmen zu können und infolgedessen können die Kinder und Jugendlichen am Pausenhof nicht mitreden. So werden sie schnell von der Gesellschaft als Außenseiter abgestempelt. Besonders schlimm ist Wohnungslosigkeit für die Kinder vieler Alleinerziehender, die erst bei uns eine Wohnung gefunden haben. Sie machen von Kindesbeinen an die Erfahrung des Ausgestoßenseins. Das kann bis zur Schulverweigerung führen. In der Folge verringern sich schulische Leistungen und weiterführende Bildungschancen.“

#freiundgleich ist ein Beitrag der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), damit Menschen ihre Rechte kennen und wissen, was den Menschenrechten zugrunde liegt: 1948 wurde die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen verabschiedet. Und heute, 70 Jahre später, ist die Verwirklichung der Menschenrechte für viele immer noch in weiter Ferne. Elisabeth Peterhoff, Leiterin der Diakoninnengemeinschaft Rummelsberg und Vorständin der Rummelsberger Diakonie, findet das schwierig: „So global und universal die Menschenrechte auch sind und so wichtig ihre Formulierung und Geltendmachung 1948 waren, so schwer sind sie noch heute umzusetzen und einzuklagen. Sie sind sie nirgendwo selbstverständlich, sondern immer eine Errungenschaft. Dort, wo die Menschenrechte nicht gelten, erleben Menschen Willkür, Unterdrückung und Gewalt. Über den hochkomplexen Fall Afghanistan möchte ich an dieser Stelle gar nicht weiter referieren.“

Die nicht vorliegende Selbstverständlichkeit der Menschenrechte wurde in der vergangenen Zeit während der Coronavirus-Pandemie auch im Alltag der Rummelsberger Diakonie zum Thema. Dass Menschrechte auch eingefordert werden müssen, erlebten Mitarbeitende ganz zentral in ihrem Arbeitsfeld. Das Recht auf Bildung ist im Brennglas der Pandemie deutlich ins Schwanken geraten. Im Zuge des Homeschoolings und Distanzunterrichts waren viele Kinder und Jugendliche auf dringend benötigte Laptops angewiesen, um am Unterricht teilhaben zu können. „Wir haben Schulen, ja. Aber wie sind sie ausgestattet und was wird welchem Kind und Jugendlichen zur Verfügung gestellt? Die Zuwendungen für Tablets oder Laptops aus dem Rummelsberger Hilfsfonds zeigen für mich exemplarisch, dass nicht jedes Kind und nicht jeder Jugendliche an Bildung teilhaben kann. Ohne materielle Unterstützung sind junge Menschen schnell von der Bildung abgehängt, die ihnen später ein eigenständiges und eigenverantwortliches Leben ermöglicht“, so Elisabeth Peterhoff zur Schulsituation unter dem Coronavirus.

Im Rahmen des Programms zur Ausstellung, das vom 16. September bis zum 7. Oktober dauert, finden sich weitere Veranstaltungen zu Projekten der Rummelsberger Diakonie, welche die Menschenrechte innerhalb der täglichen diakonischen Arbeit aufgreifen. Beispielsweise das Projekt „back to school“, welches sich am 28. September präsentiert. Es nimmt das Menschenrecht auf Bildung in den Fokus. Pädagoginnen und Pädagogen sowie Eltern machen sich in der durch den Coronavirus geprägten Zeit viele Gedanken über die großen Verluste, die Kinder und Jugendliche durch die pandemiebedingten Schulschließungen erlitten haben. Der Workshop zum Projekt erläutert Fragestellungen wie: Wie können diejenigen, die den Anschluss an die Schule verloren haben, wieder „aufgefangen“ und einbezogen werden? In welchen Bereichen sind besonders große Lücken entstanden? Welche Maßnahmen – außerhalb der staatlichen Zusatz-Förderstunden – sind hilfreich und nötig? Wie können Projekte wie „back to school“ hier Hilfestellungen geben?

Abschließend zur feierlichen Eröffnung der Wanderausstellung verabschiedet Elisabeth Peterhoff die Gäste in den offenen Teil des Abends mit den Worten: „Die Ausstellung spricht hoffentlich noch viele Menschen an. Rüttelt sie wach, ermutigt sie und lässt sie tapfer und mutig für sich und für andere. Wir in Kirche und Diakonie sagen für unseren Nächsten – fern oder nah –eintreten.“

 


Von: Lara März