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16.12.2020

Alles eine Frage der Haltung

Für welche Pädagogik steht eigentlich die Rummelsberger Jugendhilfe? Diese Frage wird dem fachlichen Leiter und den Leitungskräften regelmäßig von Mitarbeitenden, Jugendämtern, Eltern und anderen Außenstehenden gestellt. Erziehung ist vor allem eine Frage der Haltung, lautet die schlichte Antwort auf diese Frage.

Rummelsberg -  Doch was heißt das – welche Haltung ist damit gemeint und gewünscht? Die Fachliche Leitung der Rummelsberger Jugendhilfe hat gemeinsam mit mehreren Leitungskräften zu diesen Fragestellungen eine Leitlinie entwickelt, die den Begriff Haltung konkretisiert und beschreibt. Neben einer fassbaren Aussage des Begriffs Haltung, sollen den Mitarbeitenden damit auch Werkzeuge an die Hand gegeben werden, wie wir uns einer gemeinsamen Haltung annähern und darüber in Dialog treten können.

So entstand die Idee eines sogenannten „Haltungsaudits“, das sprachlich dem Qualitätsmanagement entliehen ist, inhaltlich aber deutlich davon abweicht. Es geht dabei nicht um ein Kontrollinstrument für Leitungskräfte, sondern um einen fachlichen Austausch zwischen den verschiedenen Bereichen der Jugendhilfe, die anhand eines Leitfadens gegenseitig systematische Beobachtungen und Gespräche durchführen. Grundlage für die Beobachtungs- und Gesprächsleitfäden sind die fünf Dimensionen des Haltungspapiers: Wertschätzung, Nächstenliebe, Ressourcenorientierung, Freiheit, Humor.

Zwei Wohngruppen, jede aus einer unterschiedlichen Einrichtung, erhalten vorab Fragebögen für Mitarbeitende und für Betreute, um sich auf die Inhalte vorbereiten zu können. Je zwei Vertreter*innen aus den jeweiligen Teams besuchen sich gegenseitig und halten ihre Beobachtungen und Gesprächsergebnisse schriftlich fest. Diese werden schriftlich zusammengefasst und mit ebenfalls schriftlichen Empfehlungen an das jeweils andere Team in einem gemeinsamen Auswertungsgespräch beider Teams eröffnet. Gemeinsam leiten die auditierten Teams anschließend für sich Ziele ab, die sie dann nach einer festgelegten Zeit überprüfen können.

Diskussionen und Entwicklungsfragen, die Haltung betreffend, berühren sehr persönliche Empfindungen und Ansichten, die durch eigene Erziehung, Lebenserfahrung und Werte geprägt sind. Das Haltungsaudit findet deshalb in einem sehr geschützten Rahmen statt, in dem echter Austausch und Reflexion möglich sind. Leitungskräfte sind nicht an Verfahren beteiligt und sehen auch die Zusammenfassungen und Einzelheiten der Audits nicht ein. Die Teams entscheiden selbst, ob sie Leitung informieren und für Unterstützungsprozesse hinzuziehen wollen.

Zu einem ersten Pilot-Audit hatten sich Ende 2019/Anfang 2020 zwei Teams, aus den Bereichen Schülerwohnen im Jugendhilfezentrum Rummelsberg und dem Wilhelm-Löhe-Haus in Altdorf bereit erklärt. Gemeinsam mit der Diakonischen Akademie, die das Verfahren federführend entwickelt hat, wurden auch bereits die ersten Erfahrungen ausgewertet.  Aus den Rückmeldungen sind noch einmal Veränderungen und Anpassungen durchgeführt worden, so dass dieses neue Instrument möglichst praxistauglich an den Start geht. Aufgrund der Corona-Situation fanden bisher keine Audits statt. Denn ein wichtiger Teil des Haltungsaudits, sind die gegenseitigen Hospitationstage der teilnehmenden Teams.

Das Pilotprojekt wurde von den Teilnehmenden sehr positiv eingeschätzt. Auch von Andrea Blomeyer, stellvertretende Teamverbundleitung im Schülerbereich Wohngruppe 29d und e in Rummelsberg: „Ich habe das Audit trotz des relativ hohen zeitlichen Aufwands als rundum positiv empfunden“, berichtet die 30-Jährige. Haltung sei in der Betreuung von Jugendlichen immens wichtig. Dazu gehöre auch regelmäßige Eigenreflexion für die im Alltag meist die Zeit fehle. Das Audit biete zudem den Austausch mit anderen Dienststellen sowie Wohngruppen und bringe neue Eindrücke und Impulse.

„Diese positiven Erfahrungen aus dem Pilot sollten allen Teams Lust machen, sich auf einen solchen Prozess einzulassen,“ sagt Thomas Heinicke, Dienstellenleiter der Kinder- und Jugendhilfe in Rummelsberg. Sobald es das Infektionsgeschehen zulässt, sollen dann die Haltungsaudits weitergehen.

Eben alles eine Frage der Haltung.


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