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26.07.2022

Vielfalt Weiblichkeit - Kraft und Stärke für junge Frauen

Auch in Deutschland sind immer mehr junge Menschen schwer traumatisiert und erheblich in ihrer altersgemäßen Persönlichkeitsentwicklung beeinträchtigt. Die Corona-Pandemie hat diese Entwicklung noch einmal verstärkt. Es werden vermehrt Meldungen und Interventionen aufgrund psychischer Misshandlungen von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen aufgezeichnet. Besonders betroffen sind junge Frauen und Mädchen. Für Sie bietet die Rummelsberger Diakonie seit 1. Juli Platz in einer neuen therapeutischen Wohngruppe in Nördlingen. Einen geschützten Raum, in dem sie sich sicher fühlen und ihre Weiblichkeit frei und vielfältig entwickeln können.

„Wir haben bereits in den vergangenen Jahren immer häufiger junge Frauen mit therapeutischem Unterstützungsbedarf in unseren heilpädagogischen Mädchen-Wohngruppen aufgenommen“, berichtet Inge Kuhn, die seit 2002 Teamleitung bei den Rummelsberger Diensten für junge Menschen in Nördlingen ist. Da die betroffenen Mädchen und Frauen meist traumatisiert, selbstverletzungsgefährdet oder suizidal sind, benötigen sie eine viel intensivere pädagogische aber vor allem therapeutische Betreuung. Eine heilpädagogische Wohngruppe kann dies aufgrund des geringeren Personalschlüssels und kürzerer Betreuungszeiten nicht im benötigen Rahmen bieten Deshalb haben die Rummelsberger nun die heilpädagogische Wohngruppe mit bisher vier integrierten therapeutischen Plätzen in eine rein therapeutische umgewandelt, für insgesamt 6 Mädchen und junge Frauen im Alter zwischen 13 und 18 Jahren, sowie einen zusätzlichen Inobhutnahme-Platz für weibliche Jugendliche in akuter Notsituation.

„Unser Ziel ist es, den Mädchen eine Aufwertung ihrer weiblichen Kompetenzen und Eigenschaften zu ermöglichen und sie zu befähigen aus ihren alten Mustern herauszutreten“, sagt Kuhn. Dabei arbeiten die sechs Pädagog*innen der Wohngruppe Hand in Hand mit drei pädagogischen und psychologischen Fachdiensten. Vielfalt bedeutet im Falle des Nördlinger Wohnangebots, dass traumatisierten Mädchen und jungen Frauen aus unterschiedlichsten Familiensituationen ein geschützter Raum geboten wird, in dem sie sich frei und ungezwungen fühlen dürfen.

Weiblichkeit in aller Vielfalt zulassen

„Die jungen Frauen kommen meist aus Familien, in denen das weibliche Geschlecht keine Wertschätzung erfährt, unterdrückt oder unterworfen wird“, so Kuhn. Beispielsweise, weil sie mit alleinerziehenden Mütter aufwuchsen, die ihnen nicht das Bild einer starken und selbstbewussten Frau vermitteln konnten. Viele haben aber auch Unterdrückung und Ausgrenzung durch ihre (Stief-)Väter und Brüder erfahren und waren psychischer und physischer, vor allem aber auch sexueller Gewalt ausgesetzt. Sie hatten keinen Freiraum zu freien Entfaltung und haben deshalb kein oder ein sehr ungesundes Selbstverständnis entwickelt.

„Wenn sie zu uns kommen, brauchen die jungen Frauen erst einmal ganz viel Nähe und Zuspruch, um das Erlebte loslassen zu können,“ erklärt Kuhn. Diese Mädchen benötigen einen Raum, der ihnen Schutz und Sicherheit bietet und sie zur Stärkung der Selbstakzeptanz befähigt. Eine geschlechtergemischte Wohngruppe ist hier kontraindikativ, da sie abermals Anfeindungen durch die Jungen und jungen Männer ausgesetzt wären. „Natürlich gibt es auch zwischen den Mädchen Konflikte und Streit. Doch die Entwicklung vom Kind zur Frau verbindet und ist hier eine essentielle Gemeinsamkeit.“

„Durch positive Entwicklungen helfen wir ihnen alte Muster aufzubrechen und die eigenen Stärken sowie Talente zu entdecken,“ so Kuhn. Dabei bestimmen die Mädchen das Tempo und gehen ihre ganz individuellen Schritte. Die 13- bis 18-jährigen sind in der Regel 1 bis 3 Jahre in der Wohngruppe. „In den ersten Wochen und Monate geht es eigentlich erst einmal um Stabilisierung, positive Erfahrungen und Vertrauensaufbau,“ berichtet Kuhn und fährt fort: „Anschließend unterstützen und fördern wir die Mädchen in ihren Stärken, helfen ihnen ihre eigenen Talente, aber auch ihre Grenzen und Schwächen kennenzulernen und zu.“ Sie dürfen ihre Wünsche, Ziele und ihre weibliche Rolle selbst definieren und bestimmen. Sich in aller Vielfalt entfalten.

Im besten Fall sind die jungen Frauen anschließend stark genug, in eine eigene Wohnung oder eine Verselbstständigung zu ziehen. Manche gehen aber auch weiter in andere Maßnahmen der Jugendhilfe, wo sie sicher sind und sich weiter entfalten können. 


Von: Stefanie Dörr

Seit 1. Juli bietet die neue herapeutische Wohngruppe in Nördlingen traumatisierten jungen Frauen einen geschützten Raum, in dem sie sich sicher fühlen und ihre Weiblichkeit frei und vielfältig entwickeln können. Foto: Simon Malik