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12.09.2019

Kinofilm „Systemsprenger“ startet am 21. September in Nürnberg

Premiere und Filmgespräch mit Experten der Rummelsberger Jugendhilfe, des Klinikums Nürnberg und der Regisseurin im Casablanca

Nürnberg – Es ist kein einfaches Thema, das sich Regisseurin Nora Fingscheidt ausgesucht hat. Mehrere Jahre recherchierte die Filmemacherin in einer Jugend-Wohngruppe, einer Schule für Erziehungshilfe, einer Inobhutnahme-Stelle und einer Kinderpsychiatrie. Herausgekommen ist ein preisgekrönter Film über ein Mädchen, das große soziale Probleme hat. Die neunjährige Benni (gespielt von Helena Zengel) hat schon nahezu jede Jugendhilfemaßnahme, die das System bietet, erfolglos durchlaufen. Für diese Kinder haben Jugendämter den inoffiziellen Begriff „Systemsprenger“ geprägt. Der gleichnamige Film feiert am Samstag, 21. September, ab 20 Uhr im Casablanca Premiere in Nürnberg. Im Anschluss diskutieren Experte Thomas Bärthlein von der Rummelsberger Diakonie, Chefarzt Dr. Patrick Nonell vom Klinikum Nürnberg und Regisseurin Nora Fingscheidt mit dem Publikum. Die Moderation übernimmt Prof. Dr. Helfried Gröbe, Ehrenvorsitzender des Kinovereins und ehemaliger Chefarzt der Kinderklinik im Klinikum Nürnberg Süd.

Pflegefamilie, Wohngruppe, Förderschule: Egal, wo Benni hinkommt, sie fliegt sofort wieder raus. Dabei will sie nur eines: Liebe, Geborgenheit und wieder bei ihrer Mutter wohnen. Doch Bianca (Lisa Hagmeister) hat Angst vor ihrer unberechenbaren Tochter. Als es keinen Platz mehr für Benni zu geben scheint und keine Lösung mehr in Sicht ist, versucht der Anti-Gewalttrainer Micha (Albrecht Schuch), sie aus der Spirale von Wut und Aggression zu befreien. „Wir haben diesen Film gemacht, um Verständnis für Kinder wie Benni zu wecken“, sagt Regisseurin Fingscheidt. „Der Strudel aus Wohnorten, der dauerhafte Wechsel von Bezugspersonen. Wie soll ein Kind, dessen einzige Kontinuität der Wechsel ist, irgendwo Halt finden?“

Schluss mit den „Verschiebebahnhöfen“

„Genau das ist die Herausforderung für eine sich reflektierende Kinder- und Jugendhilfe“, sagt Diakon Thomas Grämmer, fachlicher Leiter der Rummelsberger Jugendhilfe in Bayern. Gemeinsam mit Kollege Thomas Bärthlein wird er als Experte bei der Nürnberg-Premiere von „Systemsprenger“ dabei sein. „,Systemsprenger-Sein‘ ist keine Persönlichkeitseigenschaft oder ein Merkmal des Kindes, für das eine spezielle Hilfe angebahnt werden muss“, stellt Grämmer klar. „Ziel aller Vorhaben in diesem Bereich muss die weitere Professionalisierung an den Systemgrenzen der Hilfesysteme sein, um die oft wiederkehrenden Abbrüche und Verschiebebahnhöfe zu unterbrechen. Der junge Mensch ist als Ausgangspunkt zu sehen, nicht Konzepte oder pädagogische Glaubenssätze.“

Der Kinostart von „Systemsprenger“ bietet die Chance, einer breiten Öffentlichkeit die Herausforderungen in der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland näherzubringen. Der Film wurde als Kandidat für die Kategorie „Best International Feature Film“ für die Oscar-Verleihung im Februar ausgewählt. Er lief bereits im Wettbewerb der 69. Internationalen Filmfestspiele Berlin und wurde dort mit dem Silbernen Bären/ Alfred-Bauer-Preis ausgezeichnet. Die Nürnberg-Premiere mit dem Expertengespräch ist bereits ausverkauft. Weitere Vorstellungstermine finden Sie unter https://www.casablanca-nuernberg.de/

Mehr zum Film unter www.systemsprenger-film.de


Von: Andrea Höfig-Wismath

Helena Zengel als Benni in „Systemsprenger“. Der Film zeigt, wie das System der Jugendhilfe angesichts der vielschichtigen Probleme des Mädchens an seine Grenzen und darüber hinaus kommt.

Versuch eines Neuanfangs abseits der Zivilisation: Helena Zengel als Benni und Albrecht Schuch als Anti-Gewalttrainer Micha in „Systemsprenger“. Fotos: Yunus Roy Imer/ Port au Prince Pictures