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Angebote für Kinder, Jugendliche und Familien

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22.02.2021

Kaum Schutzanweisungen und fehlende Impfstrategie

Mitarbeitende der ambulanten Jugendhilfe betreuen Kinder, Jugendliche und Familien direkt zuhause. Sie gehen in die Familie. Bei den Corona-Schutz- und Impfmaßnahmen werden sie jedoch nicht mitbedacht. Karin Raudszus, Leitung des Ambulanten Erzieherischen Dienstes, kurz AED genannt, der Rummelsberger Diakonie in Nürnberg und Diakon Werner Pfingstgraef, Dienststellenleiter der Rummelsberger Diakonie in Nürnberg, berichten im Interview von den gesundheitlichen Risiken und der psychischen Belastung und was das für Mitarbeitende der ambulanten Jugendhilfe bedeutet. Wie viele Menschen betreut der AED in Nürnberg und wie sieht diese Betreuung aus? Raudszus: Wir betreuen aktuell weit über 600 Menschen in 130 sogenannten Jugendhilfemaßnahmen. Zum Großteil sind das Erziehungsbeistandschaften und sozialpädagogische Familienhilfen. Das heißt, die Mitarbeitenden unterstützen und betreuen Kinder und deren Eltern. Dazu gehört das Vermitteln bei Familien-Konflikten, das Fördern der persönlichen Fähigkeiten der Kinder und deren Eigenverantwortung. Außerdem die Begleitung der jungen Menschen bei ihrer schulischen oder beruflichen Ausbildung und bei der Verselbstständigung. In der sozialpädagogischen Familienhilfe liegt der Fokus auf den Eltern. Wir helfen ihnen bei der Bewältigung von Alltagsproblemen oder unterstützen sie bei der Lösung von Konflikten. Ziel ist hier, die Eltern zu einem selbstständigen Leben zu befähigen. Es soll Hilfe zur Selbsthilfe geleistet werden. Pfingstgraef: Diese Betreuungsarbeit findet zu weit über 80 Prozent „face-to face“ statt. Das heißt, die Kolleginnen und Kollegen gehen zu den Familien nach Hause und haben direkten Kontakt zu den Menschen. Was sind die Herausforderungen im Arbeitsalltag für die Mitarbeitenden und inwieweit belastet die Corona-Pandemie hier zusätzlich? Raudszus: Die ambulante Betreuung ist an sich schon eine anspruchsvolle pädagogische Arbeit. Im Gegensatz zur stationären Kinder- und Jugendbetreuung oder in Kitas bzw. heilpädagogischen Tagesstätten sind die Kolleg*innen im AED immer alleine unterwegs. Die Möglichkeit, sich mal kurz abzusprechen oder eine Belastung zu teilen haben sie nicht. Sie gehen allein zu den Klient*innen und wissen oft nicht einmal, was sie hinter der Wohnungstür erwartet. Das ist herausfordernd und anstrengend. Jetzt kommen gesundheitliche Risiken durch Corona und die Homeschooling-Situation noch hinzu, in der die Kolleg*innen die Familien zusätzlich unterstützen. Eine Umarmung durch eine Kollegin oder einen Kollegen, in der wöchentlichen Teamsitzung bedeutet für die Mitarbeitenden eine der wenigen kleinen Erleichterungen und Unterstützungen im Alltag. Corona und die damit verbundenen notwendigen Abstandsregelungen machen dies nun seit einem Jahr unmöglich. Teamgespräche und kollegiale Beratung können aktuell nur digital oder in Kleinstgruppen mit großem Abstand stattfinden. Worte des Beistands sind natürlich möglich, aber das ist nicht das Gleiche. Pfingstgraef: Zusätzlich müssen die Mitarbeitenden auch für die Kolleg*innen einspringen, die beispielsweise in Quarantäne oder krank sind. Wir haben es mehrfach erlebt, dass Familien, die wir betreuen im zeitlich kritischen Rahmen der Betreuungsmaßnahmen Covid-positiv getestet wurden. Es kam sogar vor, dass Kolleginnen in die Familie kamen und erst während des Besuchs erfuhren, dass ein oder mehrere anwesende Familienmitglieder an Covid erkrankt waren. Insgesamt waren es rund 60 Covid-Fälle in den Familien, die wir betreuen. Umso glücklicher sind wir, dass wir bisher keinen Covid-Fall im Team hatten, was von der großen Umsicht und Verantwortung zeugt, mit der die Kolleg*innen arbeiten. Dennoch ist das natürlich eine immense Zusatzbelastung und wir erleben die Kolleginnen und Kollegen als stark belastet. Es kommt auch deutlich häufiger zu Krankheitsausfällen aufgrund der Überbelastung. Telefonische Beratung oder digitale Videokonferenzen über sichere Plattformen der Rummelsberger Diakonie – können die Mitarbeitenden den direkten Kontakt so nicht auf ein Minimum reduzieren? Raudszus: In den Betreuungsvereinbarungen mit dem Jugendamt steht, dass die im Hilfeplan vereinbarten Maßnahmen soweit möglich vorrangig persönlich stattfinden sollen. Nur wenn die Klient*innen dies nicht wünschen, Krankheitssymptome aufweisen oder sich in Quarantäne befinden, können digitale Medien genutzt werden. Wenn wir unsere Leistung länger als eine Woche nicht oder mehr als 14 Tage nur medial erbringen können, müssen wir den ASD (Fachdienst des Sozial- und Jugendamtes in jeder Kommune) schriftlich informieren und das weitere Vorgehen abstimmen. Pfingstgraef: Unsere Mitarbeiteri*innen sehen natürlich die Nöte und Bedarfe der Kinder, Jugendlichen und Familien und gehen deshalb selbstverständlich weiter in die Familien. Dabei haben Sie aber oft das Gefühl alleine an der Front zu stehen, Flagge zeigen zu müssen und dabei selbst nicht bedacht zu werden. Woher kommt dieses Gefühl der Missachtung? Raudszus: Dass es keine Möglichkeit auf Homeoffice gibt ist sicherlich ein Grund. Ausschlaggebend ist aber vor allem, das Gefühl der Missachtung seitens der Politik. Es gibt für Mitarbeitende der ambulanten und auch stationären Jugendhilfe keine klaren Schutzanweisungen und es wurden den sozialen Trägern auch keine finanziellen Mittel bereitgestellt, um die Kolleg*innen mit entsprechender Schutzkleidung ausrüsten zu können. Besonders in der ersten Lockdown-Phase 2020 war das ein großes Problem. Es gab anfangs zu wenig Schutzmasken und die Finanzierung musste auch erst einmal sichergestellt werden. Über einen Spendenfond wurde das zum Glück möglich gemacht und heute bestellen wir immer gleich große Mengen. Das verringert die Kosten und ist einfacher zu organisieren. Pfingstgraef: Hinzu kommt, dass die Jugendhilfe auch bezüglich Reihentestungen und Impfstrategien nicht mitbedacht wird und auf sich gestellt ist. Obgleich im ambulanten Bereich die Gefährdung der Kolleg*innen besonders hoch ist, da sie zu den betroffenen Kindern, Jugendlichen und Familien nach Hause gehen. Ohne zu wissen, wie diese sich hinsichtlich der Lockdown-Maßnahmen verhalten. Wenn Sie mal auf das Online-Portal des bayerischen Impfzentrums zur Corona-Schutzimpfung schauen - dort gibt es keine Möglichkeit sich als Mitarbeiter*in der stationären oder ambulanten Kinder- und Jugendbetreuung zu registrieren. Das heißt, die Kolleg*innen werden im Gegensatz zu Pflegefachkräften, Lehrer*innen oder Erzieher*innen nicht vorrangig behandelt, obgleich sie mindestens dem gleichen Risiko ausgesetzt sind. Sind die Kinder-, Jugendlichen und Familien durch Corona ebenfalls zusätzlich belastet? Raudszus: Ich denke, das sind wir alle. Je länger es dauert, desto höher wird die Belastung. In der ersten Lockdown-Phase 2020 hatten wir zum Teil ja sogar eher gegenteilige Erfahrungen. Die Klient*innen kamen erstaunlich gut mit der Situation zurecht – einige profitierten auch ganz offensichtlich vom reduzierten Alltagsgeschehen. Das tolle Frühlingswetter half hier natürlich auch. Der damals neu ins Leben gerufene „walk-and-talk“ kam bei vielen Klient*innen ebenfalls gut an. Seit Weihnachten war das Wetter nun für diese Betreuungsform selten geeignet und auch die Dauer der Beschränkungen lastet auf den Seelen aller. Wir spüren einen deutlichen Anstieg von Spannungen und Konflikten in den Familien – auch dort, wo es bisher gut lief. Pfingstgraef: Seit Jahresbeginn nimmt die Zahl der Inobhutnahmen allgemein zu und auch das Jugendamt Nürnberg meldet, dass die Gewalt steigt. Die Situation wird sich in den nächsten Wochen vermutlich auch erst einmal weiter verschärfen, ehe dann hoffentlich Lockerungen und zurückgehendes Pandemiegeschehen für Erleichterungen sorgen. Was würden Sie sich für die kommenden Wochen und Monate wünschen? Raudszus: Für die Mitarbeitenden wäre vor allem ein Ausgleich für die deutlich höhere Belastung im Betreuungsalltag wichtig. In Form von Teamgesprächen oder Supervision aber auch in Form von zusätzlichen Erholungsphasen. Außerdem wünschte ich, die Kolleg*innen bekämen die Achtung, die sie verdienen für ihre wichtige Arbeit, die sie in dieser Krisensituation leisten. Für die Klient*innen hoffen wir auf mögliche Lockerungen im Alltag, damit die Kinder und Jugendlichen wieder Sport machen und sich einander wieder begegnen können. Der Kontakt zu Gleichaltrigen ist entwicklungsmedizinisch von essenzieller Bedeutung für sie. Pfingstgraef: Das kann ich so unterstreichen. Außerdem wünsche ich mir, dass sich die Kolleg*innen aus der Kinder- und Jugendhilfe alle gemeinsam mit Erzieher*innen und Lehrer*innen impfen lassen können. Das Interview führte Stefanie Dörr

Mitarbeitende der ambulanten Jugendhilfe betreuen Kinder, Jugendliche und Familien direkt zuhause. Sie gehen in die Familie. Bei den Corona-Schutz- und Impfmaßnahmen werden sie jedoch nicht mitbedacht.

Karin Raudszus, Leitung des Ambulanten Erzieherischen Dienstes, kurz AED genannt, der Rummelsberger Diakonie in Nürnberg und Diakon Werner Pfingstgraef, Dienststellenleiter der Rummelsberger Diakonie in Nürnberg, berichten im Interview von den gesundheitlichen Risiken und der psychischen Belastung und was das für Mitarbeitende der ambulanten Jugendhilfe bedeutet.

Wie viele Menschen betreut der AED in Nürnberg und wie sieht diese Betreuung aus?

Raudszus: Wir betreuen aktuell weit über 600 Menschen in 130 sogenannten Jugendhilfemaßnahmen. Zum Großteil sind das Erziehungsbeistandschaften und sozialpädagogische Familienhilfen. Das heißt, die Mitarbeitenden unterstützen und betreuen Kinder und deren Eltern. Dazu gehört das Vermitteln bei Familien-Konflikten, das Fördern der persönlichen Fähigkeiten der Kinder und deren Eigenverantwortung. Außerdem die Begleitung der jungen Menschen bei ihrer schulischen oder beruflichen Ausbildung und bei der Verselbstständigung. In der sozialpädagogischen Familienhilfe liegt der Fokus auf den Eltern. Wir helfen ihnen bei der Bewältigung von Alltagsproblemen oder unterstützen sie bei der Lösung von Konflikten. Ziel ist hier, die Eltern zu einem selbstständigen Leben zu befähigen. Es soll Hilfe zur Selbsthilfe geleistet werden.

Pfingstgraef: Diese Betreuungsarbeit findet zu weit über 80 Prozent „face-to face“ statt. Das heißt, die Kolleginnen und Kollegen gehen zu den Familien nach Hause und haben direkten Kontakt zu den Menschen.

Was sind die Herausforderungen im Arbeitsalltag für die Mitarbeitenden und inwieweit belastet die Corona-Pandemie hier zusätzlich?

Raudszus: Die ambulante Betreuung ist an sich schon eine anspruchsvolle pädagogische Arbeit. Im Gegensatz zur stationären Kinder- und Jugendbetreuung oder in Kitas bzw. heilpädagogischen Tagesstätten sind die Kolleg*innen im AED immer alleine unterwegs. Die Möglichkeit, sich mal kurz abzusprechen oder eine Belastung zu teilen haben sie nicht. Sie gehen allein zu den Klient*innen und wissen oft nicht einmal, was sie hinter der Wohnungstür erwartet. Das ist herausfordernd und anstrengend. Jetzt kommen gesundheitliche Risiken durch Corona und die Homeschooling-Situation noch hinzu, in der die Kolleg*innen die Familien zusätzlich unterstützen.
Eine Umarmung durch eine Kollegin oder einen Kollegen, in der wöchentlichen Teamsitzung bedeutet für die Mitarbeitenden eine der wenigen kleinen Erleichterungen und Unterstützungen im Alltag. Corona und die damit verbundenen notwendigen Abstandsregelungen machen dies nun seit einem Jahr unmöglich. Teamgespräche und kollegiale Beratung können aktuell nur digital oder in Kleinstgruppen mit großem Abstand stattfinden. Worte des Beistands sind natürlich möglich, aber das ist nicht das Gleiche.

Pfingstgraef: Zusätzlich müssen die Mitarbeitenden auch für die Kolleg*innen einspringen, die beispielsweise in Quarantäne oder krank sind. Wir haben es mehrfach erlebt, dass Familien, die wir betreuen im zeitlich kritischen Rahmen der Betreuungsmaßnahmen Covid-positiv getestet wurden. Es kam sogar vor, dass Kolleginnen in die Familie kamen und erst während des Besuchs erfuhren, dass ein oder mehrere anwesende Familienmitglieder an Covid erkrankt waren.  Insgesamt waren es rund 60 Covid-Fälle in den Familien, die wir betreuen.  Umso glücklicher sind wir, dass wir bisher keinen Covid-Fall im Team hatten, was von der großen Umsicht und Verantwortung zeugt, mit der die Kolleg*innen arbeiten. Dennoch ist das natürlich eine immense Zusatzbelastung und wir erleben die Kolleginnen und Kollegen als stark belastet. Es kommt auch deutlich häufiger zu Krankheitsausfällen aufgrund der Überbelastung.

Telefonische Beratung oder digitale Videokonferenzen über sichere Plattformen der Rummelsberger Diakonie – können die Mitarbeitenden den direkten Kontakt so nicht auf ein Minimum reduzieren?

Raudszus: In den Betreuungsvereinbarungen mit dem Jugendamt steht, dass die im Hilfeplan vereinbarten Maßnahmen soweit möglich vorrangig persönlich stattfinden sollen. Nur wenn die Klient*innen dies nicht wünschen, Krankheitssymptome aufweisen oder sich in Quarantäne befinden, können digitale Medien genutzt werden. Wenn wir unsere Leistung länger als eine Woche nicht oder mehr als 14 Tage nur medial erbringen können, müssen wir den ASD (Fachdienst des Sozial- und Jugendamtes in jeder Kommune) schriftlich informieren und das weitere Vorgehen abstimmen.

Pfingstgraef: Unsere Mitarbeiteri*innen sehen natürlich die Nöte und Bedarfe der Kinder, Jugendlichen und Familien und gehen deshalb selbstverständlich weiter in die Familien. Dabei haben Sie aber oft das Gefühl alleine an der Front zu stehen, Flagge zeigen zu müssen und dabei selbst nicht bedacht zu werden.

Woher kommt dieses Gefühl der Missachtung?

Raudszus: Dass es keine Möglichkeit auf Homeoffice gibt ist sicherlich ein Grund. Ausschlaggebend ist aber vor allem, das Gefühl der Missachtung seitens der Politik. Es gibt für Mitarbeitende der ambulanten und auch stationären Jugendhilfe keine klaren Schutzanweisungen und es wurden den sozialen Trägern auch keine finanziellen Mittel bereitgestellt, um die Kolleg*innen mit entsprechender Schutzkleidung ausrüsten zu können. Besonders in der ersten Lockdown-Phase 2020 war das ein großes Problem. Es gab anfangs zu wenig Schutzmasken und die Finanzierung musste auch erst einmal sichergestellt werden. Über einen Spendenfond wurde das zum Glück möglich gemacht und heute bestellen wir immer gleich große Mengen. Das verringert die Kosten und ist einfacher zu organisieren.

Pfingstgraef: Hinzu kommt, dass die Jugendhilfe auch bezüglich Reihentestungen und Impfstrategien nicht mitbedacht wird und auf sich gestellt ist. Obgleich im ambulanten Bereich die Gefährdung der Kolleg*innen besonders hoch ist, da sie zu den betroffenen Kindern, Jugendlichen und Familien nach Hause gehen. Ohne zu wissen, wie diese sich hinsichtlich der Lockdown-Maßnahmen verhalten. Wenn Sie mal auf das Online-Portal des bayerischen Impfzentrums zur Corona-Schutzimpfung schauen - dort gibt es keine Möglichkeit sich als Mitarbeiter*in der stationären oder ambulanten Kinder- und Jugendbetreuung zu registrieren. Das heißt, die Kolleg*innen werden im Gegensatz zu Pflegefachkräften, Lehrer*innen oder Erzieher*innen nicht vorrangig behandelt, obgleich sie mindestens dem gleichen Risiko ausgesetzt sind.

Sind die Kinder-, Jugendlichen und Familien durch Corona ebenfalls zusätzlich belastet?

Raudszus: Ich denke, das sind wir alle. Je länger es dauert, desto höher wird die Belastung. In der ersten Lockdown-Phase 2020 hatten wir zum Teil ja sogar eher gegenteilige Erfahrungen. Die Klient*innen kamen erstaunlich gut mit der Situation zurecht – einige profitierten auch ganz offensichtlich vom reduzierten Alltagsgeschehen. Das tolle Frühlingswetter half hier natürlich auch. Der damals neu ins Leben gerufene „walk-and-talk“ kam bei vielen Klient*innen ebenfalls gut an. Seit Weihnachten war das Wetter nun für diese Betreuungsform selten geeignet und auch die Dauer der Beschränkungen lastet auf den Seelen aller. Wir spüren einen deutlichen Anstieg von Spannungen und Konflikten in den Familien – auch dort, wo es bisher gut lief.

Pfingstgraef: Seit Jahresbeginn nimmt die Zahl der Inobhutnahmen allgemein zu und auch das Jugendamt Nürnberg meldet, dass die Gewalt steigt. Die Situation wird sich in den nächsten Wochen vermutlich auch erst einmal weiter verschärfen, ehe dann hoffentlich Lockerungen und zurückgehendes Pandemiegeschehen für Erleichterungen sorgen.

Was würden Sie sich für die kommenden Wochen und Monate wünschen?

Raudszus: Für die Mitarbeitenden wäre vor allem ein Ausgleich für die deutlich höhere Belastung im Betreuungsalltag wichtig. In Form von Teamgesprächen oder Supervision aber auch in Form von zusätzlichen Erholungsphasen. Außerdem wünschte ich, die Kolleg*innen bekämen die Achtung, die sie verdienen für ihre wichtige Arbeit, die sie in dieser Krisensituation leisten.

Für die Klient*innen hoffen wir auf mögliche Lockerungen im Alltag, damit die Kinder und Jugendlichen wieder Sport machen und sich einander wieder begegnen können. Der Kontakt zu Gleichaltrigen ist entwicklungsmedizinisch von essenzieller Bedeutung für sie.

Pfingstgraef: Das kann ich so unterstreichen. Außerdem wünsche ich mir, dass sich die Kolleg*innen aus der Kinder- und Jugendhilfe alle gemeinsam mit Erzieher*innen und Lehrer*innen impfen lassen können.

Das Interview führte Stefanie Dörr


Von: Stefanie Dörr

Diakon Werner Pfingstgraef, Dienststellenleiter der Rummelsberger Jugendhilfe in Nürnberg wünscht sich eine gemeinsame Corona-Schutzimpfung von Erziehr*innen, Lehrer*innen und Mitarbeitenden der Jugendhilfe. Foto: Dorothee Schenk

Oben von links: Karin Raudszus, Leiterin des Ambulant Erzieherischen Dienstes (AED) und Diakon Werner Pfingstgraef, Dienstellenleiter der Rummelsberger Dienste für junge Menschen gGmbH in Nürnberg berichteten aus dem Betreuungsalltag in der Corona-Pandemie. Foto: Stefanie Dörr