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16.12.2020

Haltung bewahren – im Dialog bleiben

Thomas Grämmer ist fachlicher Leiter der Rummelsberger Jugendhilfe und Regionalleiter der Rummelsberger Dienste in Oberfranken. Gemeinsam mit Ideengeber Olaf Forkel, Leiter Forschung und Entwicklung und allen Regionalleitern verfasste er 2019 die „Pädagogischen Leitlinien“. Ein Haltungspapier, das zum gemeinsamen Dialog aufruft. Im Interview erzählt Grämmer, weshalb ihm die Leitlinien eine Herzensangelegenheit sind.

Herr Grämmer, warum war Ihnen, Herrn Forkel und den Leitungs-Kolleg*innen so daran gelegen ein Haltungspapier für die Jugendhilfe zu erstellen?

Thomas Grämmer: In der pädagogischen Arbeit muss man immer eine klare Haltung zu den Kindern und jungen Menschen, aber auch zu sich selbst einnehmen und dabei stets achtsam sein. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass das viel Kraft und Energie kostet.  Eine unachtsame Geste im pädagogischen Alltag ist eine unachtsame Geste, die ich nicht mehr zurücknehmen kann. Insbesondere im Zuge der Flüchtlingsarbeit ab 2015, als wir auf den Einsatz von Hilfskräften angewiesen waren, die keine pädagogische Ausbildung haben, wurde deutlich, dass ein Haltungspapier für alle in der RDJ notwendig ist. Auch bei der Neukonzipierung unseres Pädagogisch Therapeutischen Intensivbereichs PTI in Rummelsberg 2015 bis 2016 kam der Wunsch nach einem solchen Leitfaden auf. Beschlossen wurde die Umsetzung in der Regionalleiterrunder der RDJ 2018. Gemeinsam mit den Regionalleitern und dem Leiter Forschung Entwicklung Olaf Forkel haben wir dann die Pädagogischen Leitlinien erstellt. Denn Haltung ist eine zentrale Qualifikation für Menschen, sie entsteht aus Respekt, Nächstenliebe, Freiheit und Humor.

Heißt das, Ihren Mitarbeitenden fehlt die Haltung?

Thomas Grämmer: Das heißt es ganz und gar nicht! Im Gegenteil. Die meisten Kolleginnen und Kollegen haben sich in ihren Ausbildungen und im beruflichen Alltag intensiv mit dem Thema Haltung auseinandergesetzt und sich mit ihrer Berufswahl für eine entsprechende Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen entschieden. Aber diese Haltung kostet Kraft und zum persönlichen Haltungsumgang gehört es auch, achtsam gegenüber sich selber zu sein um eigene Kräfte und Ressourcen wahrzunehmen und zu erkennen. Die Anforderungen, die die Kinder und Jugendlichen an uns stellen verändern sich. Deshalb müssen wir im Dialog bleiben und unsere Haltung immer wieder neu reflektieren. Dazu rufen die pädagogischen Leitlinien auf.

Die Pädagogischen Leitlinien sind eine Broschüre im Din A5-Format – wie sieht da der Dialog aus?

Thomas Grämmer: Wir verteilen die Leitlinien nicht einfach an alle Mitarbeitenden und sagen: „Lies‘ das und handle!“. Als ersten Schritt zur Einführung des Haltungspapiers gab es in fast allen Regionen und einzelnen Bereichen der Rummelsberger Jugendhilfe 2019 und 2020 sogenannte Auftaktveranstaltungen. Dort wurden die Pädagogischen Leitlinien mit den Mitarbeitenden dialogisch erarbeitet und Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede zum Thema Haltung besprochen. Dieser Dialog bildet die Grundlage für die Weiterarbeit am Thema. Leider hat diese Veranstaltung bedingt durch die Pandemie noch nicht überall stattfinden können. Sobald es das Corona-Geschehen zulässt, legen wir hier wieder los. Außerdem sind dann auch jährliche Haltungsaudits zu Qualitätsüberprüfung der pädagogischen Haltung in unseren Angeboten geplant. Nicht, weil wir einen Mangel an pädagogischer Haltung wahrnehmen, sondern um ein in der Pädagogik virulentes Thema für uns zu reflektieren und weiterzuentwickeln; für künftige Konzepte, Methoden und Arbeitsweisen.


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